Was bisher geschah
Eines Abends trafen sich drei Theaterbegeisterte in der Küche
eines Altbaus in Hannover. Sie diskutierten die Vor- und Nachteile des
„professionellen“ Theaters und versuchten freie
Theatergruppen davon abzugrenzen. Das Resultat war klar und
enttäuschend: die letzteren versuchen den ersteren nachzueifern
und dazu noch unter falschem Namen.
Den persönlichen Erfahrungen nach fehlt beiden eine
Ganzheitlichkeit im Produktionsprozess, den der Schauspieler aktiv
beeinflussen kann. Gerade in der Freien ist das enttäuschend, denn
wer lässt sich schon gern durch Regisseure, Bühnen-, Masken-
und Kostümbildner regieren und in seiner Ausdrucksweise
beschränken? Darüber hinaus diktiert das Kapital, was und wie
es ausgedrückt werden kann. Einnahmen, Stück-, Material- und
Raumkosten bestimmen zu wesentlich den inhaltlichen Ausdruck und die
Umsetzung.
Was aber tun, wenn man ideeller Weise die Bretter der Welt dazu nutzen
möchte, sich ganzheitlich zu finden und offen seine Meinung,
Gesellschaftskritik oder sonstiges zu äußern?
Ein Projekt wurde gestartet, was unter folgendem Motto laufen sollte: Es muss
auch frei, unfinanziert und ganzheitlich gehen!
Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Mitspieler- und
Raumsuche stellte sich die Formation: Backi, Jana, Julian, Myri,
Valentin und Vicki heraus. Der Ort und damit die kostenfreie
Probestätte sollte das UJZ Korn in Hannover sein.
Das Gröbste schien überwunden und regelmäßige
Treffen standen bevor. Ein Gemeinsames Wochenende in der Pampa in einem
Haus förderte das Kennen lernen und schweißte die Gruppe
näher zusammen. Erste Stücke wurden Probe gelesen und die
Theaterpädagogik ging unsere Ausdruckslosigkeit an.
Einmal für ein Stück entschieden, kamen nun Probleme mit
Verlagen und Stückrechten auf uns zu. Knebelverträge zu
horrenden Preisen hätten unterschrieben werden müssen ... von
unfinanziert und frei sollte keine Rede mehr sein?
Nein! Das war das einstimmige Urteil und wir fingen an, in unseren
Gehirnen nach brauchbarem Stoff zu kramen und erste Schreibversuche zu
starten.
Nach vielen weiteren Proben und gemeinsamen Wochenenden
voller Diskussionen und Improvisationen stand das Stück
„Der erste
Geschmack ist der zweite Blick“.
Auftrittsorte wurden gesucht, die weder Gage zahlen, noch Raummiete
oder Eintrittsgelder verlangen. Flyer und Programmhefte wurden gedruckt
und Plakate geklebt.
Termine:
25.07.06 – Cafe Glocksee
26.07.06 – UJZ Korn/ Hannover Nordstadt
27.07.06 – Penningsehl
29.07.06 – UJZ Korn/ Hannover Nordstadt
30.07.06 – AJZ Hemmingen
Der Erfolg lag in der Begeisterung nicht unbedingt theaterbegeisterter
Menschen für Gesellschaftskritik in theaterästhetischer Form.
Die Unterstützung kam begeistert und interessiert von vielen
Seiten. Die Betreuung war gut gegen das Lampenfieber. Und wir sind vor
Glück ein Stück über uns selbst hinaus gewachsen.
Ich danke an dieser Stelle für die Zusammenarbeit und die Unterstützung.
... und es geht doch ...
... auf ein Neues ... frei, unfinanziert, ganzheitlich ...
Jana
